Hikone – Ein Tag in der Kleinstadt

Hikone Panorama Hier mal ein Panormablick vom Burgpark.

Hikone? Die Rettung, wenn Kyoto ausgebucht ist! Vom Schloss aus genießt ihr einen wundervollen Ausblick auf den See und die Berge.

Wir hatten unser Hotel falsch gebucht und Kyoto war im Low-Budget-Bereich bereits ausgebucht. Was tun? Hikone sollte unsere Rettung sein. Der Ort ist 1 Stunde von Kyoto entfernt und somit in Reichweite für einen Tagesausflug. Da wir in Japan auch mal was anderes als Großstädte sehen wollten, schien es besonders dafür geeignet (ca. 113000 Einwohner). Wir buchten uns zwei Nächte im Kiyotaki Ryokan für 5800 Yen (45 €) pro Person.

Was ist ein Ryokan?

Ein Ryokan ist eine kleine Besonderheit in Japan: Im Gegensatz zu westlich geprägten Hotels, hält man an alten japanischen Traditionen des Hotelgewerbes fest. Die Zimmer sind mit Futonmatratzen ausgestattet, welche man abends selber auslegen muss. Im Raum befindet sich dann meist nur noch ein Tisch mit Sitzkissen und manchmal ein Fernseher. Zusätzlich wird einem oft kostenloser grüner Tee sowie ein Yukata (eine Art Bademantel) auf dem Zimmer bereitgestellt. Unser Zimmer war auch mit einer Klimaanlage ausgestattet, was aufgrund der Pappwände auch notwendig war, denn die Nacht war kalt.

Hikone ryokan innenraum

Ein Beispiel eines Ryokans. „Tamatsukuri onsen yado02s3648“ von 663highland – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons

Man wäscht sich gemeinsam in einem großen Baderaum auf kleinen Hockern vor, um dann in die gemeinsame Badewanne zu steigen. Damit Frauen und Männer sich nicht im Bad über den Weg laufen, gibt der Herbergsvater Badezeiten bekannt. Also immer schön aufpassen ;) Die Bewirtung erfolgt mit der üblichen japanischen Höflichkeit. Eure Schuhe müsst ihr am Eingang abstellen, für euren Aufenthalt bekommt ihr Hausschuhe bereitgestellt, die täglich gebürstet werden. Typisch für ein Ryokan ist auch ein kleiner Garten. Unser Ryokan war soweit in Ordnung, aber kann auch nicht als Referenz genutzt werden. Eigentlich hatten wir ein 4 Sterne Ryokan mit eigener Badewanne gebucht, doch leider war dieses mit 3 Stunden Fahrzeit von Kyoto zu weit entfernt. Achtet also unbedingt bei eurer Hotelbuchung auf den Standort, da die großen Städte auch als Namen für Kantone (Bundesländer) gelten^^.

 Und was gibt es in Hikone?

Der Ort liegt an Japans größtem See, dem Biwa . Man kann Kyoto mit den JR Zügen innerhalb von einer Stunde gut erreichen. Eine Fahrkarte von Kyoto nach Hikone kostet 1140 Yen (9 €). Aufgrund der Fahrkosten entschlossen wir uns, den Tag zwischen den beiden Übernachtungen in der Kleinstadt zu verbringen. Wir verließen unser Ryokan gegen 9 Uhr, spazierten durch ein Rotlichtviertel und innerhalb weniger Minuten erreichten wir die Straße Serihashi-Amatsuboyama Dori, die Einkaufsstraße.

Hikone verlassene Disco

Na, wer hat Bock auf ein Bier in dem Laden?

Die Geisterstadt

Der Anblick überraschte uns: Zahllose Geschäfte in der Innenstadt standen leer und im Gegensatz zu den anderen Städten, gab es hier keinen Family Mart oder Imbiss (In der Nacht zuvor sind wir auf der Suche nach etwas Essbarem fast verzweifelt!). Die wenigen Geschäfte, die geöffnet hatten, waren kleine Fachgeschäfte. So gab es z.B. mehrere Blumen- und Weinläden. Die ganze Straße kam uns eher wie eine Geisterstadt vor, da auch kaum ein Mensch zu sehen war (wir hatten mittlerweile 11 Uhr). Die Frau im Tourismusbüro bestätigte uns später, dass es sich tatsächlich um die „City“ handelte. Sie konnte uns aufgrund mangelnder Englischkenntnisse nicht erklären, wie es dazu gekommen war. Vielleicht ein neues Kaufhaus in der Nähe? Wir werden es wohl nie erfahren. Ein gruseliger Ort.

Nächster Halt: Hikone-Don

Mittlerweile hatten wir den historischen Teil der Stadt erreicht und folgten der Yume Kyobashi Castle Road. Vereinzelt sah man amerikanische Studenten der Michigan University, welche in Hikone im Rahmen eines Auslandsprogramms studierten. Zwischen den historischen Gebäuden entdeckten wir eine lokale Spezialität, die ich direkt ausprobieren musste:

Eine Don ist in Japan ein typisches Reisgericht; unten Klebereis, oben Gemüse/Fleisch. Die Hikone-Don wurde 2011 zum Jubiläum der Stadt erfunden und wird nicht nach einem festen Rezept gekocht, es gibt mehrere Rezepte, die örtliches Gemüse mit Ômi-Reis kombinieren. Hier ein paar Beispiele auf Japanisch. Fest steht, dass man das Gericht nur in dieser Stadt bekommt. Kostenfaktor 800 Yen (6 €).

hikone don mit roboter

Auch kleine Robos mögen die Don. By htakashi

Die Burg Hikone

Burg Hikone

Eine der wenigen erhaltenen Burgen Japans. (Die Wolken versauten das Bild…)

Die Burg Hikone ist eine der 12 noch erhaltenen japanischen Burgen aus der Edo Zeit (16-18 Jahrhundert). Der Kaiser verhinderte damals um 1868 ihren Abriss. Heute zählt sie, als eine von 4 Burgen, zu Japans Nationalschätzen. Sie ist zwar nicht so imposant wie das Weltkulturerbe Burg Himeji (nächster Artikel!), aber trotzdem einen Ausflug wert. Der Eintritt kostet 1000 Yen (8 €) und beinhaltet auch den Eintritt für den Genkyuen Garten nebenan. Wir spazierten lange durch den schönen Burggarten. Dabei durften wir Zeugen der Pflaumenblüte werden und weißen Kranichen beim Brüten zuschauen.

Pflaumenblüte Burg Hikone

Sie war noch da: Die Pflaumenblüte

Wir genossen das Frühlingswetter und die Ruhe, da nicht viele Touristen vor Ort waren. Besonders beeindruckend war die Aussicht auf die Berge und den See Biwa.

Hikone Berge

Vom Burgpark hat man einen Blick auf die Berge

Da das Burgmuseum geschlossen war, konnten wir nur die Burg selber und einige Wirtschaftsgebäude besichtigen. Diese waren leider alle leer, weil die Holzbauten brandgefährdet sind und man die Schätze im Museum verwahrt. Die Burg selber ist 3-stöckig und auch wenn sie leer ist, sollte man sich den Besuch nicht entgehen lassen!

Wirtschaftsgebäude Burg Hikone

So sahen alle Innenräume aus: leer…

Im Anschluss schauten wir im Genkyuen Garten vorbei. Wer unsere Facebook Beiträge verfolgt hat, wird schon in den Genuss einiger Bilder aus dem Garten gekommen sein. Besucht keine japanischen Gärten im Winter, es lohnt sich einfach nicht :)

Genkyuen Hikone Winter

Würdet ihr dafür Eintritt bezahlen?

Wir beendeten unseren Tag mit einen Besuch in der Touristeninfo, nur um zu erfahren, dass wir schon alles in Hikone besichtigt haben, was offen hatte. Wer Hikone besuchen möchte, sollte c.a. 3 Stunden für die Burg und eine halbe Stunde für die Burgstraße einplanen. Wer dort übernachten möchte, sollte daran denken, dass in Hikone keiner Englisch kann. Nicht einmal die Frau von der Touristeninfo.

Hier noch 4 Sehenswürdigkeiten, die wir an dem Tag nicht geschafft haben:

1. Bootsfahrt auf dem See Biwa

See Biwa in Hikone

Vom Burgpark hat man auch einen tollen Ausblick auf den See Biwa.

Von der Stadt aus fahren mehrere Schiffe. Man kann kleine Ausflüge zu Inseln machen, oder auch lange Touren. Die Fahrten fangen bei rund 2000 Yen (15 €) an.

Eine englische Tourbeschreibung gibt es hier

Die Preise und Abfahrtszeiten auf der japanischen Seite der Reederei gibt es hier

2. Die Smith Memorial Church Hall besuchen:

1931 baute Pastor Percy Smith eine der ersten christlichen Kirchen Japans. 1996 wurde diese wegen Straßenarbeiten abgerissen, aber später durch die Anwohner wiederaufgebaut.

3. Mount Ibuku (1377 m) besteigen

Hikone ist von vielen wunderschönen 1000er Bergen umgeben. Hier kann man sich über Bergwanderungen im Sommer informieren

4. Ein Besuch der Hochzeitskirche:

Vergesst Las Vegas und heiratet besoffen in Hikone! Sie sieht aus wie ein Disney Schloss und ist nur zum Heiraten da. Die Wedding Church. Wer dort mal reinschauen will kann sich hier (leider nur auf Japanisch) informieren.

Doch im Großen und Ganzen solltet ihr Kyoto genießen, oder ans Meer fahren, wenn ihr könnt. Außer ihr liebt Burgen. Dann fahrt unbedingt nach Hikone ;)

 

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