Hiroshima: Friedenspark

A-Bomb-Dome Das einzige Gebäude, das vom Atombombenabwurf übrig geblieben ist.

Hiroshima ist eine von vielen Städten auf der Welt, die eine brutale Vergangenheit hat. Mit Auschwitz zusammen, ist sie eines der wichtigsten Mahnmale des 20. Jahrhunderts, die die Gewissenslosigkeit der Führer zu Zeiten des 2. Weltkriegs zeigt.

Schon früh in der Planungsphase beschäftigten wir uns mit der Frage, ob wir Hiroshima besuchen sollten. Passt das Thema in einen schrillen Japan Urlaub? Würden wir uns ggf. restlicher Strahlung aussetzen? Lohnt sich die weite Anfahrt? Hier beschreiben wir euch Details aus dem Ort und dem Museum von letzter Woche.

Modell Hiroshima Atombombe

Die rote Kugel stellt die Atombombe an ihrem Explosionsort 600 m über Hiroshima. Darunter die Verwüstung, die sie angestellt hat.

Ein kurzer historischer Rückblick: Japan war durch den Dreimächtepakt ein verbündeter des dritten Reiches und begann 1941, durch den Angriff auf Pearl Harbour, den Pazifikkrieg gegen die USA. Am 6. August 1945 um 08:16 explodierte die Atombombe Little Boy 600m über Hiroshima. Es starben 90.000 Einwohner sofort, die Gesamtzahl der Opfer betrug aufgrund der Spätfolgen 166.000. Wenig später, am 9. August 1945, erfolgte ein zweiter Abwurf über der Stadt Nagasaki. Der Abwurf bewirkte eine Kapitulation Japans gegenüber den USA. Die USA sind bis heute die einzige Nation, die jemals Atomwaffen eingesetzt hat. Aufgrund des Abwurfes in 600m Höhe über der Stadt, sind Hiroshima und Nagasaki, im Vergleich zu Fukushima, heutzutage nicht verseucht. Hiroshima zählt mit rund 1.100.000 Einwohnern mit zu den größten Städten Japans.

Wir entschlossen uns schließlich dazu, Hiroshima an einem Tag zu besuchen. Morgens um 6:50 Uhr würden wir Hiroshima Station erreichen um es dann Abends um 19:45 via Willer Nachtbus nach Tokio zu verlassen.

Schon lange beschäftigten mich Atombombenabwürfe über Japan: Wie kann es sein, dass die USA als einziges Land jemals Atombomben abgeworfen haben? Wie sind die Auswirkungen auf die Stadt, bzw. das Land? Was geschah mit den Menschen, die den Abwurf geplant hatten? In der Schule schauten wir damals den Film The Day After, welcher nach einem fiktiven Atombombenabwurf in den USA spielt. Der Film mag einen ersten Eindruck eines Atombombenabwurfes vermitteln, doch erreicht er nicht annähernd die Dimensionen welche wir in Hiroshima vermittelt haben:

Als wir mit den Bus durch die Stadt fuhren, erblickten wir keinen einzigen Hinweis auf den Atombombenabwurf. Hiroshima sah aus wie jede x-beliebige andere Stadt in Japan; kleine Betonappartmenthäuser und keine Freiflächen. Einen ersten Hinweis fanden wir auf einer Tafel am Bahnhof. Dort stand die Geschichte des Bahnhofes nach dem Abwurf beschrieben. Da er als eines der wenigen Gebäude in Hiroshima aus Beton bestand, und einige Entfernung zum Einschlagspunkt hatte, blieben große Teile erhalten und wenige Monate später wurde auch wieder der Betrieb aufgenommen. Wir kauften uns eine Tageskarte für die Straßenbahn und die Fähre für die Insel Miyajima (unser zweites Ziel für den Tag) für 840 Yen.

Peace Memorial Park Hiroshima

Der Peace Memorial Park gedenkt der Opfer und mahnt zum Frieden

Wenig später erreichten wir den Peace Memorial Park. Der Peace Memorial Park ist ein 120.000 m² großer Park, der unter dem Abwurfpunkt der Atombombe errichtet wurde. Damals befand sich dort das politische und wirtschaftliche Herz der Stadt. 4 Jahre nach dem Abwurf entschied man sich das Gelände nicht wiederaufzubauen, sondern stattdessen einen Friedenspark zu schaffen, welcher an den Abwurf erinnert. Neben diversen Denkmälern, einer Tourismusinfo, einem Konferenzzentrum, sowie einem Museum, enthält er den A-Bomb Dome. Der A-Bomb Dome ist die Ruine der ehemaligen Industrie und Handelskammer und nur rund 100m vom Abwurfpunkt entfernt. Dieses ist das einzige Gebäude, das vom Atombombenabwurf übriggeblieben ist und dient heutzutage als Mahnmal. Der A-Bomb Dome wurde gerade restauriert. Beeindruckend war, dass selbst die Trümmer und Ziegel noch neben dem Gebäude lagen.

Nach der Umrundung des Domes begaben wir uns zu der eigentlichen Absturzstelle, wo heute nur eine kleine Gedenktafel an den Abwurf erinnert. Diese ist 100m vom Dome entfernt und befindet sich nicht mehr im Friedenspark.

Gedenktafel Absturzstelle Hiroshima

Nur eine kleine Tafel erinnert an das Ereignis

An ihrer Stelle befand sich ein Krankenhaus, und auch heute ist dort ein Krankenhaus, um an den Wiederaufbau zu erinnern. Neben dem Dome und der Abwurfstelle haben wir noch einen kleinen Friedhof sowie eine Shinto Statue entdeckt, die durch die Hitzestrahlung beim Abwurf einen Schatten auf ihrem Sockel hinterließ. Wir folgten dem Weg durch den Friedenspark auf der linken Seite des Flusses entlang. Eigentlich ist es nur ein kleiner Grünstreifen, doch dieser enthält viele kleinere Denkmäler. So z.B. eines für die Studenten, oder eines für Mitarbeiter eines Gaswerkes. Wir blieben an allen stehen und lasen die englischen Inschriften. Eines enthielt verbrannte Dachziegel von Häusern zu dem Zeitpunkt des Abwurfes (Man bedenke, dass Ziegel bei über 1000°C gebrannt werden!!!). Am Ende des Weges überquerten wir die Brücke und begaben uns zu dem Hauptteil des Friedensparkes. Wir gingen direkt zum Peace Memorial Museum.

Das Museum ist Hauptbestandteil des Parkes und kostet 50 Yen Eintritt. Wir besorgten uns zusätzlich den deutschen Audioguide für 300 Yen. An unserem Besuchstag war ein wesentlicher Teil des Museums wegen Renovierung geschlossen. Dieser behandelt die Vorbereitung der USA für den Abwurf bis zu den Zeitpunkt des Abwurfes. Wir konnten die fehlenden Teile aber auf unseren Audioguide hören. Die USA hatten eine Liste von japanischen Großstädten, die als Kandidaten für einen Atombombenabwurf in Frage kamen. Diese Städte wurden größtenteils von kleineren Bombardierungen verschont, um die Auswirkungen auf die Gebäude so gut, wie nur möglich studieren zu können. Letztendlich fiel die Wahl auf Hiroshima und Nagasaki.

Eine kleine Anmerkung: Der Friedenspark und auch das Museum enthalten keine Vorwürfe an die USA und der Ton ist sehr neutral. Dies ist erstaunlich, da diese sich bis heute nicht offiziell für den Abwurf entschuldigt haben. Generell wird sich mehr mit den Auswirkungen beschäftigt. So fehlen zum Beispiel Interviews mit Ausführenden. Wen es interessiert kann sich hier ein Interview mit Paul Tibbets durchlesen. Er war der Kommandant, der im Bomber Enola Gay den Abwurf auslöste. In dem Interview von 2002 sagt er, dass er keine Reue habe und es wieder tuen würde. Er verstarb 2007.

Wir betraten nun die Ausstellung und sahen zu unserer Rechten eine Szenerie von Figuren (teilweisen Kindern), welche durch ein brennendes Trümmerfeld flüchteten. Die Haut war verbrannt und hing in Fetzen vom Leib. Ebenso die Kleidungsstücke. Es folgten diverse Gegenstände, welche das Schicksal von Opfern erzählten. Viele handelten von Kindern und der Audioguide erzählte diese in höchst dramatischer Weise. So gab es z.B. die Brotdose, die ein Vater bei den verkohlten Überresten seines Sohnes fand. Der Inhalt war ebenfalls verkohlt. Ein Dreirad, verkohlte und zerfetzte Schuluniformen und Schuhe. Viele Kinder versuchten nach den Abwurf ihr zu Hause, welches meist in den Randgebieten der Stadt lag, zu erreichen. Alle hatten großen Durst und die meisten schafften es nicht nach Hause. Diejenigen, welche ihre Eltern gefunden hatten, verstarben wenige Tage nach den Abwurf an den Folgen der Verbrennungen. Die Eltern verwahrten Hautfetzten, Schuluniformen und auch Fingernägel, um sie nachher ihren Angehörigen zu zeigen, die aufgrund des Krieges nicht zu Hause waren. Diese waren ebenfalls ausgestellt. Was wir ziemlich verstörend fanden, war die Tatsache, dass die meisten Bilder von den Tagen danach von der U.S. Army zur Verfügung gestellt wurden. Irgendwie pervers.

verbrannte Dachziegel

Dachziegel werden bei über 1000°C gebrannt. Beim Abwurf wurden ihre Oberfläche jedoch von der enormen Hitze verformt.

Es war sehr schwer sich alle Schicksale anzuhören und auch Fotos haben wir nicht viele gemacht. Man sah Kleidungsreste mit gekachelten Mustern; die schwarzen Muster waren weggebrannt (da Schwarz mehr Hitze aufnahm) und die weißen waren noch vorhanden. Es gab Mauerreste und Dachziegel mit Brandblasen, die man sogar anfassen konnte. Verbogene Stahlträger wurden ausgestellt, um die enormen Auswirkungen der Hitze und des Drucks auf die Gebäude zu zeigen. Es gab auch ein Foto von einer Stufe vor einer Bank. Auf der Stufe befand sich ein schwarzer Schatten. Dort saß wohl ein Mensch zur Zeit des Abwurfs.

Die Ausstellung war nach der Art der Schäden aufgeteilt: Schäden durch Hitze, Druck der Explosion, Feuer und Strahlung. Viele Opfer blieben unter Trümmerteilen begraben. Des weiteren starben viele an Wassermangel und fehlender medizinischer Versorgung. Es gab weit und breit kein sauberes Wasser mehr und Menschen tranken den verstrahlten schwarzen Regen. Es dauerte Tage bis die benötigte Ressourcen eintrafen.

Denkmal für die Kinder

Tausende gefalteter Papierkraniche für die Hoffnung

Besonders hervorgehoben wurde das Schicksal von Sadako Sasaki. Sie war zum Zeitpunkt des Abwurfes 2 1/2 Jahre alt. Im Alter von 11 Jahren verstarb sie an Leukämie. Sie gilt als bekanntestes Opfer der Folgen einer Verstrahlung von Hiroshima. Im Krankenhaus faltete Sie kleine Kraniche, als Zeichen der Hoffnung, was dazu führte das weltweit Schüler, noch heute, diese Kraniche basteln und zu einem Denkmal im Friedenspark bringen, an welchen man den Kindern gedenkt. Dies sollte auch unser nächstes Ziel sein. Auf dem Weg zum Ausgang sahen wir noch kurz Videointerviews mit den Überlebenden.

Das Denkmal befindet sich außerhalb des Museums im Friedenspark. Es enthält mehrere Glaskästen mit tausenden Kranichen. Einmal im Jahr wird dort auch eine Zeremonie abgehalten. Wir suchten noch andere Denkmäler und Monumente auf, so z.B. eine Friedensflamme oder das Cenotaph for the A-Bomb Victims. Dieses enthält eine Gedenkhalle und Videointerviews mit Opfern. Der Eintritt ist frei.

Wir verließen den Friedenspark mit einem letzten Blick auf den A-Bomb Dome und fuhren mit der Strassenbahn zu Miyajima.

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