Städtetrip Tokio: Was ihr wissen solltet

Tokio by night

Wieso ein Städtetrip nach Tokio etwas besonderes ist? Ich denke die Mischung aus Tradition, Popkultur, Freaks und strikter Regeln macht die Stadt einzigartig und sehenswert. Hier unsere Erfahrungen.

Auto, Mangaaugen, Mensch mit Mundschutz, Leuchtwerbung, Musik, Auto, Kreuzung, Fahrrad, Millionen Menschen auf Plateauschuhen, gelbe Hosen, blinkende Schuhe, Mangabrüste, voller Bürgersteig, 8 Stockwerke Spielarcaden, Quietschestimmen, BLING BLING BLING Pikachu aaahhhhhh!!!

Tokio Werbeblock

Entscheide dich! Los! Was willst du konsumieren?!

Tokio. Die Stadt die nach Null Uhr zu Bett gehen soll, es aber nicht tut. Über 9 Millionen Menschen auf 622 km² versuchen die strengen, traditionellen und gesellschaftlichen Regeln und die moderne Popkultur verschmelzen zu lassen und einen geordnetes Gesellschaftsmodell darzustellen. Für das touristische Auge ist es gut gelungen, doch hört man vor allem im Untergrund, dass die Regierung wohl etwas zu strikt mit denen sein soll, die anders sein wollen. Das berichteten uns jedenfalls die Leute aus der alternativen Szene, die wir kennengelernt haben.

Doch wie wirkte Tokio denn nun auf uns als durchschnittliche Touris, die einen Städtetrip machen und verstärkt auf die junge Kultur achten?

Fahrrad Parkhaus

Die Massen an Fahrrädern finden hier Unterschlupf.

Die angesagten Viertel, wie Shinjuku, Akihabara und Harajuku sind vor allem schrill. Blinkende Werbung und riesige Leinwände überfluten dich in jeder Minute mit visueller Information, die du schon nach einem Tag völlig ausblendest. Dazu kommt vor allem in Akihabara, dem Technikbezirk, eine wirre Geräuschkulisse mit einem Mix aus Retrospielmelodien und Popsongs mit quietschigen Mädchenstimmen. Auf dem Bürgersteig muss man stets aufmerksam sein, denn Japan ist voller Fahrräder. So gibt es z.B. große Parkhäuser für Fahrräder in der Innenstadt und auch sonst viele Abstellmöglichkeiten. Viele Hostels und Hotels bieten einen Fahrradverleih an, oder kooperieren mit einem in der Nähe. Im Sommer kann man also ab ca 500 Yen am Tag Japans Großstädte mit dem Fahrrad erkunden. Wenn man gut versichert ist xD

Die Autos sind meist von japanischen Herstellern und sehr kompakt gehalten. Keine unnötig langen Motorhauben. Geparkt wird auf einzelnen, winzigen, markierten Flächen in Nebengassen, oder in einem 10-stöckigem Parkhaus mit Autoaufzug, von denen es reichlich gibt. Man erkennt sie meist daran, dass sie keine Fenster haben. Trotz der unzähligen Einwohner, ist uns aufgefallen, dass es auf Tokios Straßen, wie auch in den anderen Großstädten, kein Verkehrschaos und keine Staus gibt. Wie oben erwähnt fahren viele Menschen Fahrrad, doch auch das gute U-Bahn- und Zugnetz bewirkt, dass man in der Stadt kein Auto nötig hat. U-Bahn-Tickets gibt es ab 170 bis 240 Yen. Wichtig: Man muss das Ticket bis zum Ausgang behalten, da man nur mit dem Ticket wieder rauskommt. Wenn man zu wenig bezahlt hat, muss man an einem Fare Adjustment Automaten nachzahlen. Auch sollte man darauf achten die günstigere Metroline zu nehmen.

Smartphonejunkies

Der beste Freund des Menschen ist in Japan nicht der Hund. Für den ist kein Platz.

So sieht man eben abends zur Rush hour keine Blechlawinen, sondern zusammengepresste, müde, im Stehen schlafende Japaner in der U-Bahn. Ich habe in meinem Beitrag zur Reisevorbereitung kurz erwähnt, dass alle sagen, man dürfe in Tokio nicht in der Metro reden, weil das störend sei. Meiner Meinung und Beobachtung nach reden die alle nicht weil sie A: müde sind und B: einfach niemanden zum reden haben :( Denn sobald sich 2 Leute kennen, reden sie ununterbrochen, auch zur Rush hour. Wer keinen Gesprächspartner hat, hat sein Smartphone.

Und wer ein Smartphone hat, ist auch stolzer Besitzer einer Selfie-Stange; das ist diese, bei uns noch nicht sehr verbreitete, Apparatur, die es einem ermöglicht Bilder von sich mit mehr Hintergrund zu schießen, eben von weiter weg. Beliebt sind sie vor allem, wenn man mit Freunden unterwegs ist und mit aufs Bild will, wenn man ein Gruppenfoto vor einer Sehenswürdigkeit macht. Keine lästige Kommunikation mehr mit Menschen á la „Könnten Sie vllt ein Bild von uns machen, bitte?“, man kann endlich egoshooten!

Spielearcade

DER Zeitvertreib in Japans Großstädten: Spielearcaden gibt es an jeder Ecke.

Doch die Japaner können auch sehr gesellig sein. Eine weit verbreitete Wochenendbeschäftigung ist das Karaokesingen und Flatratesaufen mit Freunden in einem der zahllosen Karaoketower. Wer nicht singen kann, es nicht mag, oder vielleicht keine Freunde hat, kann auch in eine Spielhalle oder in die Spielearcaden gehen. Die Spielhallen haben uns nicht interessiert, doch die Arcaden haben wir besucht. Die verschiedenen Spielearten sind auf Stockwerke aufgeteilt und es gibt wirklich alles denkbare: vom Hello Kitty Malspiel bis zum ultimativen 4-D-Zombie-Killer-Spiel. Zur Zeit sind spezielle Fun-Foto-Automaten angesagt, auf denen meist überschminkte 14-Jährige Modepüppchen zu sehen sind. Man findet sie total uncool und läuft an ihnen vorbei. Doch probiert es einfach mal aus, es kostet nur 400 Yen und ist voll witzig xD Sogar Marius hatte Spaß bei der im Preis enthaltenen Nachbearbeitung mit Stickern und Beschriftung! Und der Automat macht einem riesige Mangaaugen :D Mir wurde leider verboten die Bilder zu zeigen, weil sie zu hardcore kitschig und knuffig sind…Und lasst euch nicht ärgern, dass ihr das Japanische nicht versteht und euren Namen nicht eintippen könnt. Ich heiße z.B. Soshi. Könnte euer nächster Spitzname werden!

udon mit tofu

Das beste, was ein Veggie kriegen kann: Udon mit süßem Tofu. Sonst gibts nur Fleisch (leckeres Fleisch, sagt Marius!)

In den Arcaden ist uns auch zum ersten Mal aufgefallen, dass man in Japan noch in Gebäuden rauchen darf. Es gab auf jeder Etage spezielle Raucherecken. Doch wehe du rauchst im Gehen! Gnade dir Buddah! Dann kommt das japanische Ordnungsamt und fegt dich weg. Im öffentlichen Raum darf man, wohl wegen Verletzungsgefahr, nur im Stehen rauchen. Sogar im Restaurant darf man noch rauchen. Rauchen ja, Vegetarier sein nein. Denn als größtes Problem in Tokio stellte sich für mich die Suche nach warmen, vegetarischen Essen heraus. Obwohl man denkt, dass es in Japan viel Reis und Gemüse gibt, scheint das Vegetariertum doch ein starker westeuropäischer Trend zu sein. So habe ich mich die 2 Wochen in Restaurants, Restaurantketten und Fastfoodketten vor allem mit Tofu-Udon, Reis und Krautsalat begnügen müssen. Manchmal war dann auch die Brühe auf Fischbasis, obwohl ich nachgefragt hatte. Immerhin zahlte ich meist unter 600 Yen für ein Menü. In Supermärkten hat man mehr Glück. Dort gibt es immer günstige Makiboxen, Onigiri und deftige Salate für Vegetarier und Veganer. Ein Onigiri (diese Reisdreiecke im algenblatt) kosten in den zwei gängisten Supermärkten, Family Markt und Lawson, ca. 100 Yen (in großen Supermärkten ab 65 Yen). Salate kosten ca. 250 Yen.

Ein Supermarkt, den man in dem Viertel, in dem man übernachtet finden sollte, ist der Don Quijote. Dort gibt es einfach alles 24 Stunden lang. Egal ob Bier, Essen, Karnevalskostüm, Kontaktlinsen, Mikrowelle, oder Regenschirm: du findest es um 4 Uhr nachts bei Don Quijote. Sorgt definitiv für Unterhaltung und trägt zum nächtlichen Überleben bei.

Hier eine kleine Übersichtstabelle für Lebensmittelpreise:

preistabelle

Ich war definitiv überrascht, wie sehr sich Tokio von anderen Großstädten, wie New York oder Buenos Aires, unterschieden hat. Es ist viel ruhiger, lässiger, sauberer und nachts nicht so düster und angsteinflößend, wenn man sich in kleinen Gassen rumtreibt. Mir schien es als sicherste Metropole, die ich je besucht habe. Man denke nur an Paris, das romantische Drecksloch…

Ich wünsche euch viel Spaß bei eurem Städtetrip nach Tokio!

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Tokio strasse

 

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